Nach langen Vorbereitungen hat im März die Ambulanz (offizieller Titel BHU/Basic Health Unit) ihre Arbeit aufgenommen. Das letzte mal haben wir hier dazu berichtet. Derzeit läuft die Ambulanz von Montag bis Freitag am Nachmittag. Die Anzahl der Patienten steigerte sich auf über 400/Monat, was natürlich noch lange keiner Auslastung entspricht. Daher wurde am 11. Juli ein erster PR Tag abgewickelt, an dem Untersuchungen von einem Spezialisten aus Peshawar gratis durchgeführt wurden. An diesem Tag wurden allein über 60 Patienten behandelt und in den Sommermonaten werden solche Open Days (jeweils mit anderen Spezialisten) öfter abgehalten. Diesen Open Days gehen Publicity Kampagnen im Umland voraus (Plakate). Ansonsten ist die Ambulanz auf Mundpropaganda angewiesen – und dabei gilt es Patienten davon zu überzeugen, dass es sich lohnt einen oft langen Fußmarsch anzutreten um hier auch leistbar und zufriedenstellend behandelt zu werden. Das sind die Bewohner der Region kaum gewohnt (in staatlichen und anderen NGO Krankenhäusern werden Patienten oft aus ethnischen, gesellschaftlichen oder ökonomischen Gründen abgewiesen. Wenn nicht Gewissheit besteht, dass auch die Behandlung zureichend ist, gehen viele das Risiko gar nicht ein sich auf den Weg zu machen bzw. Geld für öffentliche Verkehrsmittel auszugeben. Auch gilt es die konservative Gesellschaft davon zu überzeugen, dass Frauen bedenkenlos die Ambulanz besuchen können. Dieser Tatsache gilt ein besonderer Augenmerk, da es ein Ziel der Ambulanz ist, die allgemeine Gesundheit von Frauen und Kleinkindern in der Region zu verbessern.
Für den Sommer wird dabei eher erwartet, dass eine Zielgruppe nur einschränkend erreicht werden kann – die afghanischen Flüchtlinge aus dem Lager Shamshattoo. Viele der Familien, kehren im Sommer auf ihre Almen in Ost-Afghanistan zurück. Das ist ein insofern verwunderlich, weil man sich dann fragt, warum sie im Rest des Jahres als Flüchtlinge in Pakistan leben, andererseits deutet es eines der derzeit größten geopolitischen Sorgen der Welt an – die durchlässige Grenze zwischen Afghanistan und Pakistan. Das Grenzgebiet, und dazu zählt auch die Region in der die Ambulanz steht, gilt als sicherer Rückzugsraum für Taliban und andere Organisationen in deren Dunstkreis (Newsweek hatte dazu kürzlich einen interessanten Artikel). Die Tatsache, dass tausende Menschen jeden Sommer die Grenze überqueren deutet daraufhin wie unmöglich die Kontrolle der Grenze nach terroristischen Elementen ist. Eine Unterscheidung zwischen Menschen die zum Kühe hüten und solche die zum Bomben legen die Grenze überqueren ist utopisch bei einer solchen Anzahl.
Abgesehen von nicht-medizinischen Angestellten (Security, Administration, Fahrer) arbeiten derzeit ein Arzt, eine Ärztin und seit Juni eine Spezialistin für Ernährung und Mutter-Kind Beratung sowie ein Laborant in der Ambulanz. Seit Juni werden auch Schulen im Umkreis der Ambulanz, staatliche wie auch private Madrassen, besucht um Schüler über Ernährung und Hygiene aufzuklären.
Angesichts dem Zuspruch, den die Ambulanz von Frauen bekommt (2/3 der Patienten sind Frauen und Mädchen), wird als zusätzliche Investition nun ein Ultraschallgerät geplant. Dieses wird den Status der Ambulanz als Zentrum für die Beratung und Behandlung von Müttern und Kleinkindern weiter hervorheben.
Außerdem müssen wir einen zusätzliche Stromleitung zum nächsten WAPDA (staatliche Elektrizitäts- und Wasserbehörde) herstellen. Da die Menschen der Region um die Ambulanz ihre Stromrechnungen kaum bezahlen (können) bzw. meist einfach gar keinen Stromanschluss haben, kümmert sich die WAPDA nicht um die Bereitstellung von Infrastruktur. Da die Stromleitung die wir derzeit verwenden nur mit Unterbrüchen genügend Strom liefert, sind wir nun darauf angewiesen selbst tätig zu werden und uns einen privaten Anschluss zu leisten.
Die aktuelle Projektbeschreibung kann hier heruntergeladen werden.
Ende August wird der erste offizielle Report über die laufenden Arbeiten in der Ambulanz fertig gestellt sein.
Jakob
|