Ich habe bereits in früheren Berichten auf unsere Unterstützung von Projekten in der Katastrophenhilfe nach den Überschwemmungen hingewiesen. (hier und hier und hier)
Der zuletzt anvisierte Plan, Brunnen in Charsadda wiederherszustellen hat sich geographisch verschoben. Dazu möchte ich kurz erklären wie das Krisenmanagement nach solchen Katastrophen in Pakistan funktioniert – und das ist insofern interessant, als dieser Ansatz das erste mal in der internationalen Aid-Community während des Erdbebens im Kashmir so angewendet wurde und seitdem als sehr effektiv auch in anderen Ländern angewendet wurde. Pakistan ist darüber hinaus ein besonderer Fall, da seit dem Erdbeben 2005, der Katastrophenzustand de facto durchgehend aufrechterhalten blieb (Flüchtlingskrisen Swat und Waziristan, Erdbeben Balochistan, etc.).
Alle internationalen wie auch nationalen NGOs formieren sich unter der Schirmherrschaft der UNO zu Arbeitsgruppen (so genannten Clustern) die in bestimmten Aufgabengebieten wie auch geographischen Grenzen tätig sind. Im Kashmir waren wir in den lokalen Clustern für Gesundheit, Bildung und Emergency Relief und wir haben den Psycho-social-health Cluster wieder initiiert. Nach dem Erdbeben waren wir durch Hope87 im WASH Cluster (Water-Sanitation-Health) auf nationaler Ebene, das heißt in Islamabad, vertreten. Waren diese Cluster ursprünglich als temporäre Einrichtung zur Koordination gedacht (Meetings fanden teilweise in Schulen und Zelten auf lokaler Ebene statt), haben sie sich in Islamabad mittlerweile im teuersten Hotel der Stadt, dem Serena, permanent eingerichtet. Im Zuge der WASH Planungen nach den Überschwemmungen hat sich herausgestellt, dass das Gebiet um Charsadda (nördlich von Peshawar) bereits ausreichend von NGOs bedient wird, während andere Gebiete vernachlässigt wurden. Daher lag die Entscheidung für Hope87 nahe, in einer solchen Gegend zu arbeiten die ihr schon aus der Zeit der Swat Krise bekannt war, das Swat Tal und seine südlichen Ausläufer.
Das Einsatzgebiet war der Union Council Batkhela, District Malakand. Hier zweigt die Strasse aus Peshawar links Richtung Dir und Chitral ab, rechts geht es ins Swat Tal. Die Gegend wurde zu Zeiten des British Empire bekannt, als Winston Churchill sein Buch The Story of The Malakand Field Force beschrieb, das heute als Standardwerk der kolonialistischen Literatur im Bezug auf die Beschreibung der afghanisch-pakistanischen Grenzregion gilt. Vor 3 Jahren erschien die Gegend auch in unserer Medienlandschaft – sie war unter Kontrolle der Taliban und resultierte in der Darstellung, diese stünden direkt vor den Toren Islamabad’s. Die darauffolgende Militäraktion resultierte in einer gewaltigen Flüchtlingskrise, wurde dann einerseits als großer Erfolg dargestellt (heute ist das Swat Tal offiziell wieder unter staatlicher Kontrolle), ist aber heute nicht ganz unumstritten.
Als Teil eines großen Projektes haben wir nun, mit den Spenden die seit letztem Sommer eingegangen sind, die Wiederherstellung von Brunnen (insgesamt 33 Brunnen, daran angeschlossen sind insgesamt 1565 Bewohner) unterstützt. Im Zuge dessen wurden auch 3 sogenannte PHEDs (Physical and Health Education) mit der Reichweite von 11689 Personen durchgeführt. Dabei werden die Zusammenhänge zwischen Hygiene und Gesundheit erklärt und Massnahmen erläutert die ein Ausbrechen von Krankheiten oder gar Epidemien verhindert. In ländlichen Gegenden des Swat haben heute erst ca. 30% der Bewohner Toiletten, die meisten gehen ganz einfach aufs Feld.
2750 Familien (24 805 Personen, das deutet an wie gross Familien in der Gegend im Durchschnitt sind) wurden mit Wassertanks und deren Ausstattung (Desinfektionstabletten etc.) versorgt.
200 Toiletten wurden im letzten Jahr gebaut womit 7828 Menschen einen Zugang erhielten, den sie teilweise sogar vor den Überschwemmungen nicht hatten.
An 2750 Familien wurden sogenannte Hygiene Kits verteilt und ein Survey wurde durchgeführt um zu eruieren inwieweit die hzgienischen Bedingungen im Gebiet verbessert werden konnten. Dessen Resultate werde ich später im Sommer gemeinsam mit dem offiziellen Report präsentieren.
Mit einem Cash-for-work Program, Bewohner der Zielregion wurden angestellt um am Wiederaufbau mitzuhelfen, konnten 4000 Meter an Kanalisation wiederhergestellt werden. Diese Kanäle waren nach den Überschwemmungen entweder zerstört oder mit Sedimenten verstopft.
Ein genauer Bericht sollte bis August fertiggestellt sein, diesen werde ich dann hier zur Verfügung stellen. Sollte es Fragen geben bin ich über jakob.steiner@proloka.org erreichbar.
Jakob
|