News

Newsletter




Soforthilfe für Opfer der Überschwemmungen

Während wir derzeit noch an den letzten Details für die Ambulanz Shamshattoo arbeiten, welche auch im betroffenen Gebiet liegt, können wir durch unsere Partner NGO Soforthilfemassnahmen unterstützen. Shoaib hat die derzeit benötigten Dinge zusammengefasst. Die Artikel werden über die bereits langfristig laufenden Projekte in den verschiedenen Bezirken verteilt und können so effizient eingesetzt werden. Wir werden uns nur auf einige wenige Gebiete konzentrieren, dort wo wir uns schon gut auskennen, und dafür alles finanziell Mögliche abdecken. Wir versuchen dorthinzugehen wo grössere Organisationen nicht arbeiten (wie wir es schon im Kashmir gemacht haben, Lücken füllen) und sicherstellen, dass die Hilfe auch einen langfrsitigen Effekt erzielt und nicht nur der Tropfen auf dem heissen Stein ist.

• Fertignahrung für die Bevölkerung im Swat Tal.

• Wasseraufbereitende Chemikalien und Cholera Kits werden ab 9. August in Projektregionen in der Khyber Pakhtoonkhwa und dem Punjab verteilt.

• Im Swat Tal (Union Councils Teligram und Kishawra) wie auch in den Districts Peshawar, Nowshera und Charsadda werden derzeit noch weitere Details für effektive Hilfe durch Rapid Action Teams gesammelt.

• Wasserbehälter (für eine 7 köpfige Familie)

• Hygiene Artikel (Seife, Waschmittel, Zahnpasta, Zahnbürsten, Kämme, Handtücher, Badeschaffeln, Schere etc. für eine 7 köpfige Familie)

• Vorgefertigte Toiletten

• Plastikplanen

• Wiederherstellung von Wasserquellen

Spendenkonto

proLoka
Sparda Bank Innsbruck
Kontonummer 55455
BLZ 46660
IBAN AT084666000000055455
BIC SVIEAT21
Kennwort "Soforthilfe Flut"


Ich werde erst im September mit eigenen Photos zurückkommen, einstweilen hier 2 gute Fotostrecken, aus dem Boston Globe (1)/Boston Globe (2) und dem Spiegel.

Pakistan s Image und das Spenden

Pakistan s Image war wohl nie wirklich gut. Schon Europäer am Hippie Trail wollten die Strecke Khyber-Wagah oft so schnell wie möglich hinter sich bringen. Seit dem 11. September 2001 und umso stärker seit Vorfällen wie Mumbai und der roten Moschee sind die Assoziationen zu diesem Land immer mehr negativ - und das oft diametral zu Entwicklungen im Land selbst, die von den Medien hier selten aufgegriffen werden. Bei Katastrophen wie dem Erdbeben 2005 und jetzt den Überschwemmungen in diesem Jahr (schon in Vergessenheit die Überschwemmungen in Balochisten dazwischen, eine Provinz die von Pakistan selbst auch medial vollkommen vernachlässigt wird) lässt sich dieser Imageschaden dann in Zahlen ausdrücken. Der Unterschied in der Spendenbereitschaft (global betrachtet) zwischen diesen beiden Katastrophen ist gross.

Die am öftesten vorgebrachten Argumente sind die Besorgnis, Spendengelder würden versickern bevor sie die Betroffenen erreichen, Pakistan hilft selbst kaum und gibt stattdessen viel Geld für die Armee, insbesondere Atomwaffen aus und radikal-islamische Organisationen würden von den Spendengeldern profitieren.

Aus den Erfahrungen von unserer Arbeit im Kashmir können wir diese Argumente beurteilen. Spendengelder versickern sicherlich, besonders dann wenn viel Geld an einem Ort ausgeschüttet wird. Das wird auch bei dieser Katastrophe wieder der Fall sein. Organisationen und auch Regierungsvertreter zeigen sich vornehmlich in den Gebieten, welche auch in den Medien abgedeckt sind. Das waren am Anfang Nowshera, heute ist es Sukkur im Sindh. Sukkur ist auch von internationalen Medien einfach zu erreichen, es gibt kein Sicherheitsproblem. Pakistanische Medien haben schon berichtet, dass ganze Camps nur für einzelne Politikerbesuche auf- und dann wieder abgebaut wurden. Daher ist es besonders wichtig auch abseits der Aid-Trampelpfade nach Einsatzgebieten zu suchen. Durch unsere Mitarbeiter vor Ort, die die Gegend gut kennen und gleichzeitig mit der UN (in diesem Fall der Kooperationsabteilung OCHA) kooperieren, ist es uns möglich solche Ziele ausfindig zu machen. Darüberhinaus sind von den Organisationen die auch in Österreich sammeln, Ärzte ohne Grenzen besonders unterstützenswürdig. Sie haben Mitarbeiter vor Ort die sich in den Projektgebieten gut auskennen, gepaart mit Profis aus Pakistan und dem Ausland die in den verschiedenen Aufgabengebieten (medizinische Versorgung, psychologische Betreuung, Logistik ...) einen hohen Qualitätsstandard bringen, ist das die perfekte Mischung für effiziente Soforthilfe. Zusätlich haben sie sehr geringe Overhead-Costs. Hier geht kein Geld in falsche Kanäle.

Wie auch im Kashmir helfen auch hier Organisationen die verschiedenen radikal-islamischen Organisationen nahestehen. Sie sind oft effizient, weil sie sich vor Ort auskennen und es keine Kommunikationsschwierigkeiten gibt. Auch sind sie meist sehr professionell organisiert. Wie das auch westliche Organisationen nicht tun, missionieren sie nicht in den betroffenen Gebieten, bzw. tun es nur unterschwellig. Genauso, wie sich der Westen erwartet, dass Pakistanis sich ideologisch auf seine Seite schlagen wenn er hilft, erhoffen sich islamistische Hilfsorganisationen wie Jamaat ud Dawa eine Werbewirkung. Nur wird dabei übersehen, dass sich Menschen ihre Einstellung zu etwas so Grundlegendem wie "Belief" (in gesellschaftlichen wie auch rein religiösen Fragen) nicht einfach kaufen lassen. Da hilft es uns, sich selbst eine ähnliche Situation zu simulieren: Kommt ein unbekannter auf einen zu, mit dem Angebot aus finanzieller Misere zu helfen - steigt das Vertrauen und die Bewunderung in diesen automatisch? Menschen in Kashmir haben Hilfe von jeder Seite gerne angenommen - misstrauisch werden sie bei immer höheren Geldbeträgen. Woher habt ihr das ganze Geld? Ihr habt offensichtlich zu viel davon - dann ist es nur ok wenn ich zulange. Das beste Zusammenarbeiten hatten wir oft in Gegenden, wo wir gar nicht so aktiv waren.

Es ist also einerseits illsuorisch zu glauben, man kann Pakistanis vom anti-Westlichen Weg abbringen indem man mehr hilft, andererseits unbegründet, sofort ein Wachsen radikaler Strömungen zu sehen wo zu wenig Hilfe ankommt. Der radikal-wahhabitische Islam ist heute besonders im südlichen Punjab stark, eine Gegend die bedeutend reicher ist als viele andere Gebiete im Land.

Ulrich Ladurner in der Zeit ist auf die Problematik des Taliban-Fokus eingegangen. In allen deutschsprachigen Medien die ich in den letzten Tagen in der Hand hatte kam dieses Argument früher oder später in den Meinungskolumnen ganz oben - "wenn wir nicht spenden, springen die Taliban ein, und das wäre fatal". Das bringt den Menschen vor Ort kurzfristig mehr Geld, entbehrt aber ganz einfach jeder Grundlage und wird langfristig nur das Image weiter schädigen. Was es dann bei der nächsten Katastrophe nur noch schwerer macht ehrliche Spenden zu lukrieren. Noch viel schwerwiegender, das Verständnis für diese Region wird nicht gefördert. Der pakistanische Kashmir wurde nach dem Erdbeben nicht radikaler, keine extremistische Organisation konnte bedingt durch Hilfeleistungen dort Fuss fassen. Dazu wird suggeriert, dass wir zu unserem eigenen Nutzen spenden sollen (geopolitische Sicherheit) und nicht aus Nächstenliebe oder reiner Hilfsbereitschaft. Das ist moralisch fragwürdig, wo wir noch nicht einmal die Zusammenhänge vor Ort wirklich verstehen, geschweige denn von langfristigem Nutzen oder Schaden sprechen können. Es ist traurig wenn Medien wie die Zeit oder die NZZ solche Meinungen aufgreifen und disseminieren, ohne eigentlich eine Ahnung davon zu haben, einzig mit der Begründung damit ja wohl nur Gutes zu tun. Sie sollten ihr Geld eher für gute Recherchen ausgeben.

Dass Pakistan (zu) viel für Armee und Atomwaffen ausgiebt ist unbestritten. Nur den Umkehrschluss zu ziehen, dass weniger Ausgaben ins Militär gleich mehr ins Wohl der Menschen bedeutet ist etwas zu einfach. Die Tatsache, dass viel Infrastruktur in Pakistan nicht funktioniert oder gar nicht vorhanden ist, die Bildung und medizinische Versorgung schlecht ist und die Regierung in solchen Extremsituationen überfordert ist liegt eigentlich nicht am fehlenden Geld. Die Institution Staat funktioniert ganz einfach nicht - aufgrund vieler Gründe, nur eher nicht weil zu wenig Geld da wäre. Daher ist es wichtig, dass (besonders internationale) Organisationen bei Soforthilfe und Wiederaufbau ein Augenmerk darauf legen, dass öffentliche Institutionen mit eingebunden werden, d.h. einen Lerneffekt erzielen, sie aber auch zur Verantwortung zu ziehen. Dem Staat einfach Geld zu übergeben ist die einfache Variante, die das ganze oft noch schlimmer macht. Gemeinsam mit dem Staat das Geld einsetzen ist die anstrengende aber langfristig einzige Lösung.

Um das Problem des schlechten Images des Landes, welche Spenden blockiert zu überwinden sind beide Seiten gefragt - Organisationen die Spendengeld ausgeben und Spender selbst. Erstere sollten ihre Arbeit und Erfahrung nützen um Menschen in ihrem Herkunftsland über die Situation vor Ort aufzuklären. Das passiert heute noch viel zu wenig. Meist wird so stark wie möglich die Mitleidschiene bedient. Spender müssen aber auch bereit sein etwas mehr Anstrengung an den Tag zu legen um ein gutes Ziel für ihre Spende zu finden als nur den Online-Spende Button zu klicken.

Es wird gerade in Abetracht der oft nicht vorhandenen Strukturen wichtig, wieder langfristige Projekte zu lancieren um dazu beizutragen, dass die pakistanische Bevölkerung in Zukunft weniger der Natur und danach der Hilfsbereitschaft ausgeliefert ist.

Wir möchten daher auch in Zeiten wie diesen auf unsere langfristigen Projekte fokussiert bleiben. In Anbetracht der Tatsache, dass noch viele Hunderte Menschen, die die Fluten überlebt haben vom Tod bedroht sind wenn sie keine Nahrung und Medizin erreicht aber auch unseren kurzen Beitrag zur Soforthilfe leisten.

Eine Diskussion auf Al Jazeera hier

zurück