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Afghanische Fluechtlinge in Pakistan und das Dilemma des Spende-Hilfe Nexus

Wie schon berichtet, ist derzeit eine Ambulanz in Shamshatoo, einem Flüchtlingslager in der Nähe der Hauptstadt der Khyber-Pakhtunkhwa (so der seit letzter Woche offizielle Name der nordwestlichen Provinz NWFP) unser nächstes Projektziel. Unsere Partner NGO Hope 87 hat gemeinsam mit ANT Hiroshima eine Ambulanz gebaut die von uns in den nächsten 3 Jahren geführt wird um sie auf eigenstaendige Beine zu stellen. Die Möglichkeit uns an diesem Projekt zu beteiligen lehnt sich an die Grundsätze, welche die Gründungsmitglieder von Direkthilfe nach dem Erdbeben im Kashmir erstellten:

Zwar ist die Ambulanz nicht mehr ganz im Norden Pakistans anzusiedeln, aber wir haben die Möglichkeit ein langfristiges Projekt für Menschen zu fördern, die nicht im Rampenlicht der Medien stehen.

Hintergrundmaterial

Der Name des Camps, Sham-Shatoo bedeutet "kleine Schildkröte" auf Pashto, der Sprache der hier lebenden Afghanis und Pakistanis. Bevor das Camp hier errichtet wurde, hatte der Ort den Namen "Woch Naher", ausgterockneter Fluss und es lebten noch viele Schildkröten hier. Hier lief vermutlich früher ein Seitenarm des Indus oder Kabul Flusses vorbei. Die pakistanische Regierung stellte das Camp in den 70er Jahren unter die Kontrolle von Gulbuddin Hekmatyar, einem der gefürchtetsten afghanischen War Lords, dessen Aufenthaltsort heute nicht mehr bekannt ist. Viele Mujaheedin seiner Hezb-e-Islami, die manchmal gegen manchmal mit den Taliban kämpften kommen aus Shamshatoo und auch heute hat er hier wahrscheinlich noch viel Einfluss.

Ein anderes grosses Flüchtlingslager auf der anderen Seite von Peshawar, Jalozai, wurde Abdul Rasool Sayyaf, einem anderen Warlord anvertraut. Heute leben dort zum Grossteil pakistanische Flüchtlinge. Sayyaf hat weniger Unterstuetzung in Pakistan, unter anderem dadurch, dass er sich auf die Seite der afghanischen Regierung geschlagen hat. Sein Name ist in Europa eher dadurch bekannt, dass die islamistischen Rebellen auf den Phillipinen, Abu Sayyaf, nach ihm benannt sind.

Die Zahl der Einwohner des Lagers wird verschieden geschätzt und fluktuiert staendig (zw. 50 - und 100 000). Mehr Information findet sich hier.

Eine kurze Geschichte des Lagers findet sich hier.

Ein Bericht der UNHCR zur Lage der afghanischen Flüchtlinge in Pakistan.

Ein Blog der sich mit den Zusammenhängen zwischen Gesundheitsversorgung und bewaffneten Konflikten auseinandersetzt.

Ein gerade neu erschienenes Buch zum Zusammenhang zwischen medizinischer Versorgung und Gesundheit in Kriegszeiten. Nur ca. 40 km von Shamshatoo entfernt liegt Orakzai, eine Stammesregion die der bewaffnete Konflikt in Afghanistan schon voll erreicht hat (abgesehen von den Attentaten in ganz Pakistan).

Zu Spenden heisst nicht immer gleich zu Helfen. Es ist wichtig sich zu versichern, dass eine Spende auch wirklich in Hilfe übersetzt wird. Das ist ein wichtiger Grundsatz auf dem auch Direkthilfe aufbaut. Daher ist uns der Kontakt zu Spendern wichtig, wir freuen uns wenn über persönliche Netzwerke gesammelt wird und ein Vertrauensverhältnis zwischen uns und den Spendern aufgebaut werden kann. Daher ist es auch wichtig, dass wir offenlegen, wofür das Geld eingesetzt wird und langfristig evaluieren, welche Erfolge zu verzeichnen sind, wie effektiv die Spenden zu Hilfe wurden. Unsere Spendenstatistik wird hier regelmässig veröffentlicht, wir sind bei detailierteren Fragen aber auch per email erreichbar. Eine Evaluation der Aktivitäten findet laufend statt.

Die Problematik der ausländischen Hilfe fuer Pakistan wurde in letzter Zeit häufig diskutiert. Eine kurze, interessante Diskussion findet sich bei Amanpour, ein langer Bericht wurde kürzlich vom Center for Global Development publiziert.

Nancy Birdsall, Präsidentin dieses Center for Global Development spricht hier über einen Ansatz der international Hilfe, der bis heute nicht wirklich funktioniert (ein ähnliches Interview in schriftlicher Form wurde im Yale Journal abgedruckt.) Was sie hier anspricht, ist eines der grössten Probleme bei gross angelegter finanzieller Hilfe nach Pakistan.

The big question is the cost of monitoring. The problem is how do you spend millions of dollars in poor countries which, by definition because they’re developing countries, are going to be in a state of institutionalism that is far weaker than a U.S. state. It s about accountability relationships: how do you get a recipient government to be accountable to its own citizens. [...] It’s at the macro-level where we can actually figure out how to oversee transfers without undermining accountability to citizens and local institution building. And that’s true, by the way, whether it’s transfers from the government or other actors within a country. If it’s other actors within a country, you’re also failing to build a relationship between a state and its citizens. When aid is a substitute for tax revenue, it’s a problem. And it is a substitute for tax revenue.

Für Pakistan habe ich das schon einmal hier angedeutet.

Im gleichen Heft wird William Easterly interviewt. Er meint

People are afraid that criticism of aid will destroy the support for funding aid. They should be more afraid that failing to address criticism will hinder increased support for aid.

Sein Bericht über die Effizienz von Spenden (auch vom österreichischen Staat) ist schwierig zu beurteilen, da die Transparenz zu Wünschen übrig lässt aber gibt doch einen guten Einblick in die Problematik.

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