Geplant war eine Woche nach Bagh zu fahren, um dort alle Schulen zu kontrollieren und Verstaerkungen an den hoeher gelegenen Schulen fuer den erwarteten schneereichen Winter anzubringen. Vor der Abfahrt meint Zahid aus Bagh am Telefon, das Wetter ist schoen es liegt im Moment kein Schnee. Wir fahren los und alles kommt anders als wir dachten.
Gemeinsam mit Jakob Abermann, einem unserer Spender aus Tirol, der uns gerade besucht hat und spontan entschieden hat mitzukommen, und Pierre Jolit einem Freund aus Franreich, der schon lange in Lahore lebt, brechen wir am Nachmittag in Richtung Kashmir auf. Zu Mitternacht ueberqueren wir die Bruecke die Kashmir vom Rest Pakistans trennt und es beginnt zu regnen. Dass dieser Regen uns auf den naechsten 5 Tagen begleiten wird ahnen wir noch nicht. Frueh morgens erreichen wir unsere Gastgeber in Bagh, die sich schon freuen und alles vorbereitet haben. Es regnet in Stroemen und wir ruhen ein paar Stunden aus.
Morgens beginnen wir die dann Leute zu treffen um die geplanten Rahmen zu besprechen, die in den hoeher gelgenenen Schulen zur Verstaerkung angebracht werden sollen . Ein Stahl-Schweisser, Mohammed Nasir, wird konsultiert und wir besuchen die beiden Schulen in Panyali, die nicht so weit entfertn liegen und auch bei Regen gut erreicht werden koennen. Es ist kalt und nass.
Die zwei Schulen in Sudanghali liegen auf ca. 3000m und im Winter gibt es oft meterhohen Schnee. Bei einer Visite vor einem Monat haben die Leute des Dorfes dort gemeinsam mit Jakob besprochen, wie man das Dach verstaerken kann. Mohammad Nazir versteht sein Handwerk – es sollen pro Schulgebaeude zwei Extra-Stahl-Rahmen eingebaut werden und zwei lange Verstrebungen seitlich. Dazu muss man die eingelegte Innendecke wieder rausnehmen und die neuen Rahmen hineinschweissen.
Am naechsten Tag soll es losgehen. Wir erwarten auch zwei Freunde aus Faisalabad die sich noch um den Einbau der restlichen Fenster in den Schulen kuemmern.
Die Nacht verbringen wir unter dicken chinesischen Decken. Der elektrische Heizer hat seinen Geist aufgegeben. Auf unser undichtes Bamboo-haus prasselt der Regen.
Zum Fruehstueck kommen dann alle – Zahid unser Freund vom Shelter- und Schulbauprogramm, Rafique der Schulwaerter der Schule in Topi, Mohammad Nasir der Schweisser und die Fensterbauer aus Faislabad. Wir besprechen den Plan fuer die naechsten Tage, jeden Tag ein anderes Tal, um dort zu arbeiten. Am Bazaar kaufen wir noch die letzten Dinge und planen am naechtsen Tag frueh zu starten. Heute regnet es zu viel.
Wir hoeren, dass es in Sudanghali schon geschneit hat. Am Nachmittag besuchen wir noch einige Bekannte von lokalen Organisationen. Der Regen und die Kaelte lassen Bagh ziemlich trist erscheinen. Der UN Compound ist abgebaut, MSF (Medecins sans Frontiers) sind gerade dabei Bagh zu verlassen, OXFAM bleibt noch ein Monat hier. Unsere Freunde der tschechischen Organisation People in Need sind alle im Buero – „Beim Regen kann man nichts machen“. Ihre Schulen sind auch gerade beim Fertigwerden. Bei UNICEF besprechen wir das Buch zur Verbesserung der Schulen dass wir gerade als End-Entwurf abgegeben haben – es soll in den naechsten Wochen gedruckt werden.
Am Abend wieder frueh unter die Decke. Der Regen ist staerker geworden. Die Schuhe sind nass und werden nicht mehr so schnell trocknen.
Am naechsten Morgen begruesst uns ein Regenschauer. Der Fluss ist inzwischen bedrohend angeschwollen, die ersten Meldungen treffen ein: „Die Strasse nach Bir Pani ist unpassierbar – der Fluss ist nicht mehr zu durchfahren“, „Ein Erdrutsch hat die Strasse nach Islamabad blockiert“ „ In Sudanghali liegen schon 2 Fuss Schnee“.
Wir aendern unseren Plan. Besprechen die neue Vorgehensweise. Zahid soll den Schweisser und die Fenstermacher kontrollieren. Rafique wird beauftragt die restlichen Zementarbeiten bei seiner Schule selbst zu machen. Wir koennen im Moment nur warten, und frieren. Einzig im Auto koennen wir uns etwas aufwaermen.
Es ist unglaublich zu sehen, wie abgehaertet die Kashmiris hier sind. Viele Menschen leben immer noch in Zelten, und das im Dauerregen. Der diesjaehrige Winter soll sehr schneereich und kalt werden. Durch Verzoegerungen bei der Auszahlung der Rekompensation durch die Regierung (viele Menschen haben immer noch kein Geld erhalten), konnten die Menschen mit dem Wieder-Aufbau ihrer Haueser grossteils noch nicht starten. Einige leben noch in den Not-Unterkeunften, die wir fuer sie letzten Winter
gebaut haben, ueberall stehen noch Zelte und zerstoerte Haueser. Es ist wirklich schwer zu verstehen, dass einige Minuten Erdbeben, vielleicht nur einige Sekunden, jahrelange harte Arbeit mit sich ziehen. Die Katastrophe ist aus den Medien verschwunden – fuer die Menschen hier dauert sie noch ein Jahrzehnt.
Alle Wege sind schlammig, Strassen blockiert. Heute sind fast alle Geschaefte im Bazaar geschlossen, die meisten Menschen zu Hause geblieben. Wir werden es am naechsten Tag nochmals versuchen.
Es regnet die ganze Nacht. Wir haben bis jetzt noch keine Sekunde Sonne gesehen. Heute schaffen wir es trotz Regen mit unserem Team nach Topi zu fahren. Dort bauen wir die Fenster ein, besprechen die restlichen Arbeiten. Sobald das Stahl-Material aus Pindi angekommen ist beginnt Mohammad Nasir mit seinen Arbeitern hier das Dach zu verstaerken. Noch liegt hier kein Schnee. Wir wissen nicht, ob die Strasse nach Pindi gesperrt ist oder nicht. Wir beschliessen wieder nach Lahore zurueckzufahren. Der Regen hoert einfach nicht auf.
Am naechsten Tag frueh brechen wir auf, im Regen. Zahid und Rafique versprechen ihre Arbeit hier selbst zu machen. Wir werden taeglich telefonieren. Jetzt liegt es an unseren Kashmiri-Freunden, die Schulen selbst fertig zu machen. Wir werden versuchen, in ein paar Wochen wieder hinzukommen. Hoffentlich bei besserem Wetter. „Wenn Schnee liegt, scheint auch Sonne“, meint Qamar Zaman unser Gastgeber und „ihr seid immer herzlich willkommen“.
Mit kalten Fuessen
Jakob, Pierre und Andreas