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Elf Schulen und viele Baustellen

Um fünf Uhr Früh bringt Ustad-Ji, unser Fahrer, die Maler nach Sudanghali, das höchstgelegene Dorf auf dem Weg nach Muzaffarabad - ca. 1.5 Stunden Fahrt von Bagh. Dort sind vier Arbeiter, die die fünf Gebäude der Boys Middle School gerade fertig stellen. Gleichzeitig nimmt Ustad-Ji noch Zement und Sand mit für Sher Khan, unseren Freund, Pathan und Toilettenbauer. Am Weg nach Sudhangali baut er mit seinen 15 Pathan-Arbeitern insgesamt an 6 Toiletten. Die ersten vier Sickergruben sind schon ausgegraben.

In Topi, auf dem anderen Berggipfel, ca. 3 Stunden von Sudanghali, arbeitet Zahid, Tischler und Freund, gerade an der Fertigstellung der Volksschule Peerwali Topi in lokaler Bauweise – mit Holz und Wellblech. Gleich daneben steht noch eine Schule von uns – sie ist schon halbfertig- der Schweißer soll in den nächsten Tagen die Ankerplatten befestigen.

Jakob ist noch beim District Education Office, um endlich die Genehmigung zu bekommen, altes Holz, das von den zerstörten Schulen übrig ist, für den Bau von Schulmöbeln zu verwenden.

Andreas versucht einen Traktor zu finden, der die mit ca. 2 Wochen Verspätung angekommenen Schulteile, nach Panyali bringt – dort gibt es zwei High Schools, die wir noch bauen wollen. Panyali ist ca. 40 Minuten von Bagh entfernt am hoechsten Punkt eines Bergkammes.

Die letzten 10 Tage sind wir von früh bist spät mit Logistik und Baustellen-Überwachung beschäftigt. Wie baut man eine Toilette? Wer baut sie und woher bekommen wir das Material? Wie bringen wir die Maler und den Schweißer ins andere Tal? Wo sind die verlorenen Ankerplatten? Wieso geht in Sudanghali seit 2 Tagen der Strom nicht? Ist der Weg nach Bir Pani schon wieder blockiert, weil es zuviel geregnet hat?

Neben dem Schulbau haben wir uns vor allem mit der Verbesserung der Schulen beschäftigt. Wie kann man in Zelten und in unseren Gebäuden ein möglichst Lern- und kinderfreundliche Atmosphäre schaffen? Gemeinsam mit UNICEF und 3 anderen Organisationen (ADRA, JEN, Save the Children) haben wir begonnen eine Brochure mit Ideen dazu zu erstellen. Die Brochure soll Mitte Herbst erscheinen – wir haben dazu schon viele Ideen gesammelt und versuchen diese in den nächsten Tagen noch umzusetzen. Die Ideen reichen von internem Design, wie Tafeln, Soft-Boards, Wall-Charts, und einer Glocke bis zur Verschönerung des Schulumfeldes, dem Pflanzen von Blumen und Bäumen, dem Bauen von Wegen, Aufstellen von Schildern, etc.

Shahid Mirza, ein Freund und Künstler aus Lahore, ist vor einer Woche zu uns gestoßen. Sein Ziel ist es hier mit Kindern Kunst-Workshops zu machen. In zwei Volksschulen hat er bereits mit den Kindern gemalt und Masken gebaut. Den Mädchen hat er gezeigt, wie man einfache Designs für Stickereien entwirft. Das Echo dieser Workshops war bei den Lehrern so groß, dass wir überlegen auch Lehrerinnen-Workshops anzubieten.

Neben dem Schulprojekt haben wir seit Beginn des Sommerprogrammes immer wieder überlegt, wie wir den Menschen beim Hausbau helfen können. Bis heute haben nur wenige Kashmiris damit begonnen ihre Häuser wieder aufzubauen. Die Kompensation der Regierung ist noch nicht ausbezahlt worden und seit einigen Wochen gibt es sehr strenge Hausbau-Regulierungen für erdbebensichere Bauten, die um vieles teurer sind als herkömmliche.

Außerdem gibt es seit über 2 Monaten einen Bann auf das Schneiden, Verkaufen und Transportieren von Holz. Das heißt, man darf nicht einmal seine eigenen Bäume fällen und auch nicht eigenes Holz von einem Ort zum anderen transportieren. Der Bann hätte schon vor einiger Zeit – mit der Gründung der neuen Regierung und dem neuen Forst-Ministerium – aufgehoben werden sollen. Bis heute ist aber noch nichts passiert. Kurzum, jeder wartet auf Geld, Holz oder Hilfe von Organisationen.

Nach einigen Diskussionen und Ideen nach dem interaktiven Theaterstück in Nakker, hatten die Dorfbewohner dort die Idee, ihnen beim Bau von Betten zu helfen.

Fast alle Betten sind beim Erdbeben zerstört worden, gerade im Sommer und im Monsun ist das Schlafen am Boden aufgrund der vielen Tiere (Insekten, Schlangen) höchst unangenehm. Holz ist vorort vorhanden und die Nakker-Maenner sind bereit beim Bau der Betten mitzuhelfen.

Wir haben einen Tischler, eine Kreissäge und eine Hobelmaschine besorgt und das Projekt, 35 Betten zu bauen, gestartet. Geplant waren 2 Tage Holzschneiden und 2 Tage Bettenbauen - im Endeffekt dauerte alles dreimal so lange. Probleme waren der schwache Strom und dass der Tischler vergas den Lattenrost zu bauen. Nach diesem Projekt, bei dem wirklich das ganze Dorf involviert war, meinten einige Bewohner sie wollen jetzt ihren eigenen Möbel-Showroom eröffnen und als Tischler weiterarbeiten.

Die letzte Woche hat schon begonnen, am Sonntag den 3. September brechen wir wieder Richtung Lahore auf. Es ist jetzt schon klar, dass wir bald wieder herkommen werden, unsere Projekte weiterbetreuen, die Schulen weiter verbessern und unsere Freunde hier besuchen.

Mit lieben Grüssen und etwas erschöpft
Andreas und Jakob

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