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1 Monat Kashmir im Sommer – Zwischenbilanz

Der Monsun hat eingesetzt und uns die letzten Tage verfolgt. Die Strasse zu unseren ersten 3 Schulen war immer wieder weggespült worden, für uns bedeutete das dann Ersatzprogramm in Bagh mit der Organisation der anderen Projekten. Der Dauerregen hat auch das Grundwasser verschmutzt und uns zeitweise gesundheitlich beeinträchtigt. Mit der Sonne die die letzten 2 Tage wieder zurückgekehrt ist hat sich aber auch unsere Gesundheit wieder verbessert.

Unser erstes Projekt ist letzte Woche bereits zu Ende gegangen. Die Theatergruppe aus Lahore hat 1 Woche hier mit den Menschen gearbeitet, schlussendlich ist alles etwas anders abgelaufen als wir uns zuerst gedacht haben. Der anfängliche Plan war, gemeinsam mit Kashmiris ein Theaterstück zu erarbeiten, das ihre eigenen Erlebnisse zum Thema haben und auch von ihnen selbst ausgeführt würde. In einem Camp für Familien, deren Land nach dem Erdbeben unbewohnbar wurde haben Alvina, Ather, Fajad und Mathilde 3 Tage lang mit den Menschen an diesem Stück gearbeitet.

Die Menschen waren sehr begeistert und mussten dann enttäuscht aufgeben als fundamentalistisch eingestellte Campbewohner die Vorbereitungen unterbanden. In einem anderen Camp scheiterte das Projekt an ähnlichen Problemen, im dritten waren die Menschen am Theater nicht interessiert. Diese Erlebnisse und der anhaltende Regen der uns zwang in Bagh zu bleiben, haben uns die Zeit gegeben noch einmal über die Umsetzbarkeit und die Wirkung des interaktiven Theaters nachzudenken. Wie arbeitet man mit Menschen an so einem Projekt, die nicht einmal ein eigenes Haus haben und mit Existenzproblemen und –ängsten zu kämpfen haben?

Die positive Resonanz der Bewohner der ersten beiden Camps hat uns aber die Motivation gegeben noch einen Anlauf zu machen und mit einem neuen Konzept haben Alvina, Ather und Fajad Geschichten aus dem Leben von Dorfbewohnern aus Nakker wo Direkthilfe Shelter baute, nachgespielt. Die Leute dort waren begeistert von der Vorführung, Wir werden versuchen das Theaterteam im August noch einmal nach Bagh zu bringen um dieses Konzept auch in anderen Dörfern zu verwirklichen.

Silke hatte mit ihrem Videoprojekt, das an die Theaterarbeit angeknüpft war ähnliche Startprobleme, hat aber jetzt in einem College für Mädchen ein gutes Umfeld und viele motivierte Teilnehmer gefunden. Wir werden davon im nächsten Bericht erzählen.

Während den Diskussionen mit dem Theater und dem Filmteam sind wir immer wieder auf die Traumata der Menschen hier, besonders aber deren Umgang mit diesen Erlebnissen zu sprechen gekommen. Die 12 Sekunden Erdbeben holen viele Menschen noch immer im Schlaf ein und Männer mit denen wir am Abend gemeinsam über die Zukunft Kashmirs reden holen schon einmal ihre Packung Beruhigungstabletten aus der Geldtasche.

Wir haben, auch beeinflusst durch unsere Arbeit mit Kindern in Lahore von denen einige aus der Erdbebenregion kommen, die Idee eines Forschungsprojekts zu den Auswirkungen des Erdbebens auf das Verhalten und die Konzentration in der Schule geboren. Wie beeinflusst dieses traumatische Erlebnis die Schulkinder, wie gehen sie heute damit um und was hat sich für sie geändert? Neue Fragen kommen immer wieder auf. Wir haben hier mit Fragebögen begonnen um allgemeine vergleichbare Daten zu sammeln.

Währenddessen hatten wir die Möglichkeit uns mit Organisationen wie der WHO, Ärzte ohne Grenzen und anderen NGOs zu treffen um über dieses Thema zu sprechen. Von 3 Psychologen bekommen wir in diese Richtung auch fachkundige Unterstützung. Für uns ist dabei immer interessanter geworden zu sehen wie verschiedene Organisationen auf dem Gebiet der Psychologie, im besonderen der Traumabehandlung und der Aufklärung arbeiten und wir haben dafür 2-monatliche Treffen initiiert. Alle Organisationen die hier in diesem Gebiet arbeiten treffen sich zum Erfahrungsaustausch und zur Besprechung der weiteren Vorgehensweise.

Dieses Projekt steht also noch sehr am Anfang. Wir sammeln hier erste Daten und Erfahrungen und werden daran auch in Lahore weiterarbeiten. Das erste Ziel wird Ende nächsten Jahres sein wo wir die Ergebnisse der Studie präsentieren können.

Unsere ersten Schulen werden übermorgen fertig sein, danach beginnen wir gemeinsam mit der lokalen Bevölkerung die Klassenzimmer einzurichten und die Schulumgebung zu verschönern. Nach einem Treffen mit anderen NGOs die auch in diesem Gebiet arbeiten werden wir jetzt unser Schulmöbelprojekt in Angriff nehmen. In den meisten Schulen gibt es keine richtigen Schulmöbel. Sie waren entweder nie vorhanden oder wurden während des Erdbebens zerstört.

Die NGOs hier kaufen ihre Möbel aus großen Lagerhäusern in Rawalpindi, Islamabad und Lahore. Geld das eigentlich in der Bergregion dringend gebraucht würde um die Entwicklung der Wirtschaft zu stabilisieren fließt in die großen Industriegebiete die alle außerhalb des Kashmirs liegen. Wir haben hier in einem Flüchtlingscamp eine Tischlerei gefunden wo die Bewohner die Möglichkeit einer Ausbildung und einer kleinen Einnahmequelle bekommen. Alle Tischlerarbeiten für das 900 Bewohner zählende Camp werden hier gemacht. Mit Unterstützung von außen wäre es möglich die Kapazitäten zu erhöhen und für Schulen im Distrikt Bagh Möbel herzustellen. Wir werden in den nächsten Tagen das Projekt vorantreiben und dann wieder davon berichten.

Choda Hafeez aus einem völlig verregneten Bagh

Andreas, Jakob, Ghulam Mustafa und Silke










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