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Der Schulbau hat begonnen

Wir sitzen im Wohnzimmer von Irshad, unserem Freund in Chek Dara. Die Wände sind mit langen Ritzen durchzogen, Spuren des Erdbebens. Irshad hatte Glück, sein Haus steht noch und seine Frau, Lehrerin, war zum Zeitpunkt des Erdbebens zu Hause beim Aufgaben korrigieren. Die Mädchenschule gleich neben seinem Haus wurde nämlich völlig zerstört. Seit einigen Tagen sind wir dabei die Schule gemeinsam mit vielen Helfern des Dorfes wieder aufzubauen.

In Chek Dara und den umliegenden Dörfern beginnen wir unser Schulaufbau-Programm. Hier haben wir im Herbst auch begonnen, die Winter Shelter zu bauen und die Menschen kennen und vertrauen uns. Leider ist es nicht immer leicht die Leute hier zu motivieren. Bis vor einigen Tagen gab es Wahlen und wirklich jeder Mann war mit „Wahlkampf“ beschäftigt. Jetzt nach den Wahlen muss man sich ausrasten. Gott sei Dank – Alhamdulilah – finden wir immer wieder Freunde, die die Initiative ergreifen und die Leute mobilisieren. Irshad hat uns von Beginn an geholfen. Er hat uns auch eine Schule gezeigt die ca. eine Stunde Fußmarsch von der Strasse entfernt liegt. Dort werden wir versuchen gemeinsam mit einem lokalen Tischler, unserem Freund Zahid, ein Schulgebäude aufzustellen. Irshad hilft uns auch die Frauen in den umliegenden Dörfern zu treffen, um mit ihnen die Arbeit auf den Feldern zu besprechen und ihnen – falls notwendig- Saatgut zu geben. Die Tomaten und Zucchini Saison ist fast vorbei und wir sind gerade noch rechtzeitig gekommen. Auf den meisten Feldern wächst Mais, das einzige Saatgut das verteilt wurde – die Regierung hat 50kg Mais und 20kg Dünger an jede Familie verteilt, den Mais unter anderem auch für die Tiere.

In den letzten Tagen sind wir jeden Tag in den Bergen auf kleinen Pfaden am Weg gewesen, um Schulen zu finden und mit den Menschen einen möglichen Aufbau zu besprechen. Für fast jede Schule gibt es ein Schulkomitee, das meist aus einflussreicheren Männern und Lehrern besteht. Für uns kommt ein Schulbau nur dann in Frage, wenn die Leute mithelfen. Wir besprechen mit ihnen das Freiräumen des Bodens, den Transport der einzelnen Teile, das Essen für die Arbeiter. Nach dem Schulbau wollen wir die Gemeinde weiter motivieren, die Schule auch lernfreundlich zu gestalten, Wege zu bauen, Blumen zu pflanzen, uns zu helfen Schulbänke und Tische und andere notwendige Möbel zu organisieren.

In Bir Pani unserem zweiten Schulprojekt haben die Leute zwar versprochen mitzuhelfen, doch sobald die Schulteile geliefert waren ließ sich keiner Blicken. Manchmal ist es wirklich etwas schwierig den teils schon sehr verwöhnten Menschen hier zu erklären, dass wir keine NGO sind, die Schulen einfach nur hinstellt. Gerade in Hinblick auf die Zukunft der Schule, deren Pflege und Verwaltung ist uns das sehr wichtig. Beim UN Cluster Meeting haben wir deswegen auch vorgeschlagen eine Vorgehensweise zu entwickeln, wie man die Gemeinde, auch die so genannten community based organisations (kleinere Verein) mobilisieren kann hier mehr Verantwortung zu übernehmen.

In den letzten 2 Wochen haben wir über 25 Schulen besichtigt und beschlossen 12 Schulen zu bauen. Das heißt 28 Gebäude. Wir bräuchten dazu noch dringend einige Spenden, um dies auch zu verwirklichen.

Vor zwei Tagen sind unsere Freunde vom Theater- und Videoprojekt gekommen. Sie haben gestern schon begonnen in Sarbuland ihre Workshops zu starten. Sarbuland ist ein Übergangscamp, in dem Menschen Unterkunft finden, die beim Erdbeben alles verloren haben. Alles heißt, neben Familienangehörigen, meist auch der Ehemann, auch das Haus und das Land, das abgerutscht ist. Sie sollen in einer Zeitspannen von 3-5 Jahren wieder Land bekommen und re-integriert werden. Das Theaterteam besteht aus Istiaq, Farjad, Alvina, Ather und Mathilde. Silke und Ferozeh leiten den teilnehmenden Video-Workshop. Bei beiden Projekten geht es vor allem darum mit den Leuten Erlebnisse während und nach dem Erdbeben durch Theater und Videoarbeit auszudrücken. Das wichtige dabei ist dass die Teilnehmer die Hauptrolle spielen und die Geschichten selbst schreiben und durchführen, auch den Film selbst drehen und schneiden. In einer Woche soll ein Theaterstück aufgeführt werden. Wir berichten das nächste Mal gerne in Detail darüber.

Nach nun zwei Wochen fühlen wir uns schon ziemlich wohl hier in Kashmir. Wir kennen viele Leute, wissen mehr über die Kashmiris, die Stromausfälle, den Regen – es regnet fast jeden Tag, Monsunzeit – unsere Planung die jeden Tag völlig geändert wird und die Erkenntnis, das man einfach flexibel sein muss: Unsere Arbeiter arbeiten manchmal einfach nicht, Feiertage kommen einfach so daher, regenvolle Flüsse blockieren Strassen und somit ganze Täler stundenlang und der Strom fällt manchmal für mehrer Tage aus.

Ein Forschungsprojekt über die Auswirkungen des Erdbebens auf das Lernverhalten der Schulkinder im Kashmir haben wir vor 2 Wochen begonnen. Nachdem wir sehr viel motivierende Rückmeldungen von anderen NGOs bekommen haben und es hier an psychologischer Unterstützung noch weitgehend fehlt hat sich die Idee gut entwickelt. Wir werden darüber noch genauer berichten.

Wir sind motiviert. Die ersten 3 Schulen sind fast fertig und in einigen Tagen haben wir ein großes Treffen mit den Schulkomitees um die Zukunft zu besprechen.

Vielen Dank an alle für die Unterstützung. Wir melden uns bald wieder mit mehr Details. Im Moment passiert hier wirklich sehr viel und es ist schwierig alles zu erzählen.

Liebe Grüsse
Andreas, Jakob, Jakob, Firozeh, Silke, Alvina, Mathilde, Istiaq, Ather, Farjad und unser Fahrer Ustad Ji










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